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Ausschnitt aus den Nordbayrischen Nachrichten vom 9.Februar 1999


Fachmann des Erlanger Kulturinsdtuts referierte über Tradition des französischen Chansons
Minnesang und Gesellschaftskritik
Schwerpunkt der Text - Inhalte wie bei den Troubadouren - Einflüsse aus frankophonem Ausland



HERZOGENAURACH (nar) - Zwischen Minnegesang und Gesellschaftskritik wechseln seine Inhalte vom Mittelalter bis heute. Diese Kontinuität des französischen Chansons hat Pascal Ropion vom französischen Kulturinstitut Erlaugen 50 Gästen in Herzogenaurach mit einem - natürlich audiovisuellen - Vortrag nähergebracht.

Zu der Veranstaltung hatte der Freundeskreis Herzogenaurach Sainte Luce sur Loire eingeladen. Ropion erklärte mit Witz und Charme zuerst die Bedeutung des Chansons in Frankreich. Was die mittelalterlichen Troubadoure begonnen haben, überlebte bis heute.

Die Popularität des Chansons nahm mit der Reisefreiheit der Franzosen Mitte der 30er Jahrei erheblich zu. Charles Trainet, bekanht mit "la mer", komponierte in der damaligen Zeit "Douce France". Dieses Lied ist bis heute eine Liebeserklärung an die Heimat.

Der Schwerpunkt eines Chansons, so Ropion, ist nicht die Melodie, sondern der Text. Er kritisiert, analysiert oder spiegelt den gesellschaftlichen Zustand wider. Die Texte der nun teils verstorbenen großen Sänger wie Claude Nougaro, Jacques Brassens oder Charles Aznavour machten das Chanson francaise weltbekannt.

Der in Senegal aufgewachsene Pascal Ropion huldigte den alten berühmten Chansonniers (Sänger) wie der drogensüchtigen Grande Dame, Edith Piaf, und den gebürtigen Belgier Jacques Brel. Von beiden Künstlern führte er rare Aufnahmen vor.

Ropion wollte seinem Auditorium die inhaltliche Kontinuitat des Chansons von heute präsentieren. In einer subtilen Art, stellte er das Chanson von heute und die multikulturelle französische Cesellschaft einander gegenüber - eine Gesellschaft, die zwar ihre Pro bleme mit den Ausländern hat, aber deren Musik hört und ihr oft in die Hitparaden verhilft.

Die Sänger, die im heutigen Frankreich die Musik beinflussen, kommen, so Ropion, aus den alten Kolonien oder sind Franzosen mit ausländischen Wurzeln. Wichtig am Chanson bleibe der Text. Um das französische Liedgut zu schützen und zu fördern, müssen in Frankreich mindestens 40 Prozent des Musikprogramms mit französchen Texten und Sängern gestaltet werden. Dadurch, so Ropion, haben Newcomer größere Chancen, populär zu werden.

Die Gäste hörten lieder gegen Rassismus Sklaverei, Drogen oder einfach gegen Kindersoldaten mit den schweren Gewehren - zum Beispiel von der Gruppe "Carte de sejour (Aufenthaltsgenehmigung). Die südfranzösis Gruppe "IAM" beschreibt die Drogenproblematik, die Macht der Mafia und die korrupten Politiker. Musik die zwar im Rhythmus dem Zeitgeschmnack angepaßt ist, aber mit tiefsinnigen Texten der Tradition treu geblieben ist.

Der mit einem leichten französischen Akzent deutsch sprechende Referent, kannte den deutschen Geschmack und die Erwartungen. Er hinterließ ein zufriedenes Publikum mit neuen Erkenntnissen. Als Dankeschön überreichte ihm der Präsident des Freundeskreises Wein aus der Partnerstadt der Herzogenauracher. Erhardt Wirth, Präsident des Freundeskreises Herzogenaurach, berichtete von seinem Besuch In Sainte Luce teilte den Mitgliedern den Besuchstermin der Freunde der Freunde aus Frankreich mit. Die Gäste möchten Regensburg und die Fränkische Schweiz besuchen.

Sainte Luce, so Wirth, bereitet sich schon auf die Jahrtausendwende vor. Es soll ein Mammut-Festival geben zu dem die Herzogenauracher eingeladen werden.